Blog zum Sonntag - Rummelwirbel - von der Raw-Datei zum fertigen Bild
- 8. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Ein Blick in die Trickkiste (und meine Raw-Dateien)
„Rummelwirbel“ – das ist für mich dieser eine magische Moment auf dem Karlsruher Jahrmarkt. Lichter, Bewegung, diese ganz eigene Winter-Dynamik.
Heute mache ich etwas, das für mich jahrelang ein absolutes No-Go war: Ich zeige meine Raw-Dateien. Das Unbearbeitete, das „Nackte“. Bisher hielt ich diese Dateien unter Verschluss, als wären sie ein dunkles Geheimnis. Aber warum eigentlich? Zur Kreativität gehört auch der Weg zum fertigen Bild – und dieser Weg ist oft viel unspektakulärer (und gleichzeitig spannender), als man vielleicht denkt.
Worum geht es mir bei der Bildbearbeitung?
Ich will das Bild nicht künstlich verändern, sondern den Blick lenken. Ich entferne das Rauschen im Kopf – und im Bild. Alles, was den natürlichen Fluss des Blicks durch das Bild hin zum zentralen Motiv (hier der Lichtkreisel) stört, muss raus.
Hier zunächst die unbearbeitete Raw-Datei:

ISO 250 - Objektiv: 100mm - Blende 20 - Belichtungszeit: 1,2 s
Schritt 1 - das Gefühl in Form bringen
In Camera Raw fängt alles an. Ich habe hier kein festes Rezept – jedes Bild braucht etwas anderes. Ich schaue mir die Aufnahme in Ruhe an, spiele mit den Reglern und finde heraus, wo es für mich am stimmigsten wirkt.
In diesem Fall sah das so aus:
Lichtregler

Licht & Kontrast:
Ein bisschen weniger Belichtung, dafür mehr Kontrast (+19) und hellere Lichtpunkte (+13).
Das gibt dem Ganzen mehr Biss und die gewünschte Strahlkraft und Farbintensität.
Farbregler

Farbe:
Den Farbton habe ich minimal verstärkt (+5), damit das Blau des Lichtkreisels so strahlt, wie ich es in Erinnerung hatte.
3. "Effekte"-Regler"

Der "Knackigkeits"-Faktor:
Mit dem Klarheit-Regler (+71) habe ich die Tiefe hervorgeholt.
Bei diesem Bild hat es genau die richtige Spannung erzeugt.
Ergebnis nach der Bearbeitung in Camera Raw:

Das Ergebnis: Die Farben und die Stimmung sitzen. Jetzt geht es noch ums "Aufräumen".
Schritt 2 - Den Blick befreien (Retusche in Photoshop)
Vor der Retusche: ich markiere die zu retuschierenden Bereiche

Tipp für Perfektionisten: Die 100%-Leitplanke
Damit ich mich bei der Retusche nicht verliere, nutze ich ein festes System: In der 100%-Ansicht markiere ich auf einer separaten Ebene mit Farbüberlagerungen alle Bereiche, die die Bildwirkung tatsächlich stören (z. B. einen Fleck oder ein störendes Detail).
Erst dann zoome ich für die eigentliche Arbeit auf 400 % oder 600 % hinein, da ich in diesem Bereich am präzisesten und dadurch am effektivsten retuschieren kann. Die Markierungen dienen mir dabei als Leitplanken: Ich bearbeite präzise, was ich zuvor markiert habe, und ignoriere die winzigen Ein-Pixel-Pünktchen daneben. Diese können in der extremen Vergrößerung zwar störend wirken, sind für das fertige Bild aber völlig irrelevant. Das verhindert, dass ich mich in unnötigen Korrekturen verzettele und das Bild „totretuschiere“ – die natürliche Struktur bleibt erhalten.
Detail links oben im Bild: Teil eines Schildes
Einfaches Entfernen durch den Kopierstempel und Zuschnitt
Links: vorher, rechts: nachher


Zwischenergebnis:

Detail links am blauen Lichtrad: wellige Streifen am Rand des blauen Lichtrads - korrigieren
durch Kopieren und Einfügen eines geraden Randstückes von weiter oben.
Links: vorher, rechts: nachher


Zwischenergebnis:

Detail unten links im Bild: Person mit Mütze - Entfernen durch Kopierstempel und Überlagern durch Kopieren, Einfügen und spiegeln des Standes mit den blauen Lichtern
Links: vorher, rechts: nachher


Gesamtansicht Bearbeitungsprozess vorher / Nachher (Endergebnis)
Finaler Gesamtüberblick in Animation und Bild
Galerie
als GIF :-)

... und fertig :-)
















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